Gerbrunn

Gerbrunner Gespräch: Zwischen Wissen und Glauben – zum Leben des Heiligen St. Kilian | ► 2010

Stefan Wolfshörndl dankt dem Referenten für den interessanten Abend

Im Rahmen der Gerbrunner Gespräche der SPD referierte Prof. Dr. Flachenecker vom Lehrstuhl Fränkische Landesgeschichte am 10. März, was über die Frankenapostel als wissenschaftlich gesichert gelten kann.

Sein Fazit ist, zumindest für den gläubigen Franken, auf den ersten Blick ernüchternd: Nicht einmal die historische Existenz des Mönchs St. Kilian konnte Prof. Flachenecker eindeutig bestätigen, denn zuverlässige historische Dokumente sind in einer Zeit fast ohne schriftliche Überlieferung sehr rar.

Die zeitgenössische Quelle »passio minor« ist voll von Symbolik und damals allgemein verwendeten Motiven. Auch konzentriert sie sich auf das Martyrium der irischen Apostel (was auch die Absicht der »passio« ist). Leben und Wirken werden dagegen in wenigen Worten abgehandelt. Auch Würzburg als Ort seiner Wirkung und der Zeitraum muss mit einem Fragezeichen versehen werden, da die Beschreibung auf viele an einem Fluss liegende Orte passt und die Zeitangaben etwas widersprüchlich sind. Nur die Existenz des Herzogs Gozbert von Thüringen und seiner Frau Gailana sind belegt. Dem Fachmann legt sich sogar der Verdacht nahe, dass Kilian kein Ire sondern eher ein Angelsachse wie der Deutschlandapostel St. Bonifatius war.

Auch die zweite Quelle, die »passio major« ist noch wenig zuverlässig, da erst Jahrzehnte später beim Besuch von Karl dem Großen in Würzburg entstanden. Die Existenz lokaler Heiliger hatte damals als »Markenzeichen« der Region starke Bedeutung.

In der sehr angeregten Diskussion stellte Prof. Flachenecker klar, dass die wissenschaftliche Diskussion nicht dazu führen muss, die Tradition St. Kilian in Frage zu stellen. Dies sei eine Glaubenssache, die jeder für sich entscheiden muss.

Reinhard Schinzel