Gerbrunn

Wirtschaften: gerecht, solidarisch und nachhaltig. Utopie oder Realität? | ► 2021

Diskussion zur Ethik in der Wirtschaft bei der SPD Gerbrunn mit dem Publizisten Dr. Wolfgang Kessler und MdL Volkmar Halbleib.

Mit einem Vortrag und einer Diskussionsrunde mit dem Journalisten und Wirtschaftswissenschaftler Kessler, langjähriger Chefredakteur der Zeitschrift „Publik-Forum“ setzte die SPD Gerbrunn ihre Gesprächsreihe zur Zukunft der Arbeitswelt fort. Wolfgang Kessler, geprägt durch den katholischen Glauben und seine Arbeit als Wirtschaftswissenschaftler, so auch bei beim internationalen Währungsfonds, hat sich mit vielen Beiträgen zur Wirtschaftsethik einen Namen gemacht. Besonders kritisiert er die jetzige Form der globalen Wirtschaft mit ihren Fehlentwicklungen und Ungerechtigkeiten. Vor vollem Haus betonte er, dass Klimawandel und Corona-Krise eine Umdenken in der Wirtschaft noch dringender machen. Denn Kapitalismus zu ändern ist möglich, so Kessler, den Krisen ändern Menschen und ihr Handeln. „Plötzlich geht es“, so Kessler über die Möglichkeit der Änderung in der Politik, als aktuelles Beispiel die Reaktion auf die Corona-Krise. Als mögliche Instrumente schlägt er zum Beispiel eine Neuauflage der des Lastenausgleichs aus den 1950er Jahre vor. Weiter könnte man schnell erreichen, dass alle Einkommen für Steuer und Sozialabgaben gleich zählen, wie das Beispiel der bestimmt nicht Kapitalismus-feindlichen Schweiz zeigt. Auch über ein „bedingtes Grundeinkommen“ , d.h. ein Grundeinkommen, das mit der Steuer verrechnet wird, schlägt er vor. In die gleiche Richtung zielt der Vorschlag einer CO2-Abgabe, der aber ein CO2-Konto gegenübersteht. Erste Ansätze gibt es ebenfalls in der Schweiz. Eine Reform des Welthandels ist ebenfalls notwendig, der Handel muss gerechter und nicht freier werden. Instrumente hierzu könnten Umweltzölle für unfaire und die Umwelt belastende Produkte sein.

Im vollbesetzten (soweit unter Corona-Bedingungen möglich) Versammlungsraum der Mehrzweckhalle Gerbrunn

Dr.Kessler und MdL Halbleib im Gespräch mit den Besuchern

Die wichtigste Änderung ist aber die Änderung des eigenen Verhaltens, sei es in bei den Entscheidungsträgern, sei es bei den einzelnen Bürgern auch in Gerbrunn. Die gegenwärtigen Krisen könnten hier ein Nach- und Umdenken beschleunigen.

Als Gast ergänzte MdL Volkmar Halbleib, dass viele der Vorschläge sich mit dem Programm der SPD decken, wie er durch Zitate aus dem Hamburger Programm von 2007 belegen konnte. Er meinte etwas im Gegensatz zu Wolfgang Kessler, dass viele richtige Schritte zum Umbau bereits angedacht oder sogar eingeleitet sind. Als Beispiel nennt er das kürzlich gegen großen Widerstand durchgesetzte Lieferkettengesetz.

In der Diskussion wurde die ethischen Probleme der Weltwirtschaft vom Publikum sehr ähnlich gesehen. Besonders wurde auf die Situation auch im Gesundheitswesen hingewiesen, das durch die Einführung des Renditegedanken sowohl Patienten und dem Personal belastet. Weiter wurde auf die Rolle Chinas hingewiesen, ein unberechenbarer und immer mächtiger werdender Spieler auf dem Weltmarkt. Ohne China wird eine Reform des Welthandels nicht gelingen. Auch die Möglichkeiten eines Handels vor Ort in Gerbrunn wurde diskutiert.

Als Fazit bleibt, dass Veränderung in die Voraussetzung für ein auch in Zukunft wirtschaftlich erfolgreiches Deutschland sein wird. Trotz einiger Ansätze ist ein weiterer Einsatz für eine gerechte Wirtschaft notwendig.

Dr. Reinhard Schinzel