Gerbrunn

Leserbrief »Keine Atomkraftwerke« von Zeitung abgelehnt | ► 2009

Leserbrief: Keine Atomkraftwerke! Stattdessen erneuerbare Energien!

Veröffentlichung von der MAIN-POST abgelehnt, weil Verfasserin Mitglied des Gemeinderats ist.

Am 15.10.2009 schrieb Ingrid Wolf aus Gerbrunn an die MAIN-POST den folgenden Leserbrief (als Antwort auf einen dortigen Leserbrief vom 9. bzw. 15.10.2009):
Ich möchte für meine Kinder und Enkelkinder keine gefährlichen und teuren Atomkraftwerke, die strahlenden Abfall hinterlassen, für den kein Endlager vorhanden ist! Ich bin für erneuerbare Energien! Wenn alle Kosten, die die Atomkraftwerke bisher verursachten und noch verursachen werden, auf den Strompreis umgelegt würden, wäre dieser wesentlich teurer.

Denn, was kaum bekannt ist, der Steuerzahler hat auch die Atomenergie schon mit mindestens 100 Milliarden Euro mitfinanziert. Das Restrisiko liegt allein bei uns allen. Eine alle Risiken abdeckende Haftpflicht würde zur Unwirtschaftlichkeit der Atomkraftwerke führen. Die Atomkraft-Lobby will Gewinne privatisieren und Verluste kollektivieren: Die Folgekosten der Atomenergie, z. B. Endlagerung, Rückbau der Atomanlagen usw.) von vielen weiteren Milliarden Euro soll der Steuerzahler übernehmen. Mit erneuerbaren Energien ist Deutschland unabhängig von Importen, z. B muss 100 % des Urans importiert werden und sie schaffen hunderttausende von Arbeitsplätzen!

Nur erneuerbare Energien haben Zukunft und ich bin sehr froh, dass sie nun schon auf die verschiedenste Weise produziert werden.
Die MAIN-POST lehnte die Veröffentlichung dieses Leserbriefes ab mit der erstaunlichen Begründung, dass die Verfasserin Ingrid Wolf Mitglied des Gemeinderats ist. Wörtlich schreibt die MAIN-POST in einer E-Mail an Ingrid Wolf:
»... Wenn ich richtig informiert bin, sind Sie SPD-Gemeinderätin in Gerbrunn. Wir haben das Prinzip, dass wir keine Leserbriefe von Parteienvertretern abdrucken. Da sind höchstens Stellungnahmen möglich. Und die sollten sich natürlich um ein lokales Thema drehen. Wenn wir anfingen, Parteienvertreter auf Meinungen oder Behauptungen antworten zu lassen, die in Leserbriefen geäußert werden, hätten wir ruckzuck keinen Platz für andere Texte. ...«
Wir meinen:
Selbstverständlich kann eine Zeitung die Veröffentlichung jedes einzelnen Leserbriefs ablehnen. Kein Leser hat Anspruch auf die Veröffentlichung seiner Briefe. Als Kriterium dafür erwartet man aber üblicherweise den Inhalt des Leserbriefs.
Dass eine Zeitung persönliche Eigenschaften des Verfassers als Kriterium verwendet, ist unüblich und fragwürdig, besonders wenn diese Eigenschaften mit dem Inhalt des Leserbriefs gar nichts zu tun haben. So hat der Leserbrief von Ingrid Wolf nichts mit ihrem Gemeinderatsamt zu tun; sie schrieb weder im Namen ihrer Fraktion, noch der SPD; ja, sie erwähnt nicht einmal ihre SPD-Zugehörigkeit; sie schrieb diesen Brief einfach als Bürgerin unseres Staates.
Schlimm ist, dass es sich hier nicht um eine einzelne Entscheidung handelt, sondern - wörtlich - um ein Prinzip der MAIN-POST. Interpretiert man das Prinzip der MAIN-POST folgerichtig, so müsste jemand, der sich beispielsweise ehrenamtlich in seiner Gemeinde engagiert, gerade deswegen auf das Recht verzichten, sich als normaler Bürger zu jeglichen Geschehnissen in unserer Welt zu äußern.
Die MAIN-POST muss sich fragen lassen, ob und welche sorgfältigen Recherchen sie über die Eigenschaften und Tätigkeiten aller ihrer Leserbriefschreiber anstellt, um danach über Veröffentlichung oder nicht zu entscheiden. Und sie muss sich fragen lassen, ob es noch andere persönliche Eigenschaften gibt, die es jemandem verwehren, einen Leserbrief veröffentlichen zu lassen.